| "Mit der Verbreitung der Lepraseuche
in ganz Europa im Laufe des 13. Jahrhunderts entstanden überall Siechenhäuser,
vorwiegend außerhalb oder am Rande der Städte, in denen die Aussätzigen
von der übrigen Bevölkerung isoliert wurden. Auch in Eichstätt
wurde ein solches Leprosenspital eingerichtet. Heute noch besteht in der Spitalvorstadt
an der Ingolstädter Straße die vor Jahrhunderten entstandene Anlage
mit Benefiziatenhaus und Magdalenenkapelle.
1307 (25. Mai): Eine
genaue Zeitangabe über die Gründung der Anlage geht aus den vorhandenen
Archivalien nicht hervor, erstmals erwähnt wird das Leprosenhaus in
einer Urkunde dieses Datums, in der in einem Rechtsstreit zwischen Bischof
Philipp (1306-1322) und dem Kloster St.Walburg über die Heulieferung
aus gewissen Wiesen beim Leprosenhaus, Solnawe genannt, eine gütliche
Einigung erzielt wird.
1345: Gegründet
wurde die Einrichtung von »Bruder Heinrich, dem Sohn der Guta«,
der in seinem Testament 1345 seinen Hof in Lippertshofen und sein Haus in
Eichstätt »ze naehst an der zechmaistrin haws« seiner Stiftung
vermachte.
Von 1323-1346 taucht dieser
Heinrich als Pfleger oder Propst der Sondersiechen in den Eichstätter
Stadturkunden auf, ab 1336 wird er meist als Bruder Heinrich bezeichnet.
1307-1400: Im Laufe
des 14. Jahrhunderts gelangen zahlreiche Schenkungen an die Siechen oder Dürftigen,
wie sie in den Urkunden auch genannt werden, sowohl aus dem engeren Bereich
der Stadt als auch aus dem näheren und ferneren Hochstift. Es gehen
ganze Höfe, z.B. in Egweil, Seuversholz, Pfahldorf und Esselberg, Äcker,
Wiesen und Waldstücke in den Besitz der Stiftung über, aber auch
- vor allem im innerstädtischen Bereich - Ewiggelder aus Häusern
und Hofstätten.
Dafür ein Beispiel.
l357 Februar 3 bestätigen
Anna Mernerin, Stephan und Chonrad, ihre Söhne, sowie Chonrad der Mosner
mit Ehewirtin Margret in einer Urkunde, daß sie das von einer Frau
Haylwig der Hensein gestiftete Ewiggeld für die Sondersiechen aus einer
Wiese auf der Solnau in der Höhe von ½ Pfund Haller ersatzweise
aus einer Hofstatt und einem Haus in der Schlaggasse leisten wollten. Dieses
Ewiggeld, das in anderer Münzeinheit einem Wert von sechzig Pfennigen
entspricht, liegt noch 1696 auf dem Anwesen.
Bis in die jüngste Zeit
befand sich an der Stelle dieser alten Hofstatt der städt. Schlachthof,
heute das Altenheim Caritas-Pirkheimer-Haus.
In der Spitalvorstadt waren
einige Hofstätten der Siechhofstiftung zinspflichtig, z. B. das ehemalige
G64 (heute Ingolstädter Straße 27) sowie G 87 (heute Ingolstädter
Straße 11).
1401: Papst Bonifazius
VIIII. bestätigt in einer Urkunde für die Stadt Eichstätt die
Schenkung des Propstes und Bürgers Heinrich über ein Haus außerhalb
der Mauern Eichstätts, zur Nutzung und Wohnung der armen Leprosen und
anderer armseliger Personen, sowie über eine Kapelle bei dem Haus gelegen.
Hiermit ist sowohl eine zu
dieser Zeit bereits vorhandene Kapelle als auch die Annahme bewiesen, daß
im Siechenhaus nicht nur Leprakranke, sondern auch andere Kranke und Arme
untergebracht werden konnten.
1400-1500: nach dem
Tode Heinrichs sind als Pfleger der städtischen Einrichtung »Siechhof«
ausschließlich Eichstätter Bürger genannt, so z.B. im 15.Jahrhundert
Veit vom Markt, im 16. Jahrhundert Hans Pildschnitzer und Loy Hering.
Ende des 14. Jahrhunderts
sind es zwei, ab dem 16. Jahrhundert vier Pfleger (jeweils 2 aus dem Inneren
und zwei aus dem Äußeren Rat), die die Geschäfte der Siechhofstiftung
besorgen.
Die heute noch vorhandenen
Gebäude werden baugeschichtlich in die Zeit des beginnenden 15. Jahrhunderts
eingeordnet. Dendrochronologische Untersuchungen am Stadel ergaben eine Fällzeit
der Balken im Jahre 1417. Benifiziatenhaus sowie Magdalenenkapelle weisen
in Untergeschoß und in der Anlage eindeutig gotische Elemente auf.
|
Die Siechhofanlage
auf dem Hofgartenplan von Josef Effner von 1790, im Vordergrund das städtische
Forsthaus, heute Ingolstädter Straße 35 |
1489: im Salbuch über die
Siechhofstiftung von 1489 wird bei der Aufstellung der Geld- und Sachleistungen
an die Bewohner des Siechhauses
eindeutig unterschieden zwischen den Pfründnern und den Elenden. Ich
nenne zwei Beispiele:
Wein wurde wie folgt zugeteilt:
»An Simon und Judas
- Tag jeder Pfründner 1 Maß Wein und den Elenden ein halb Maß
- Am Sankt Marien Tag einem jeden Pfründner und Ehalten (Dienstboten)
ein Maß Weins und den Elenden ein Seidl (ein Viertel Liter)«
Für Fleisch galten u.
a. folgende Regeln:
»...man gibt einem
jeden Dürftigen (Pfründner) und Ehalten zu Weihnachten 28 Pfennig
für Kuhfleisch und zu Obristen (Heiligdreikönigtag) 32 Pfennig
für Schweinfleisch und denen Elenden nichts...«. Die Zahl der
Pfründner war 1489 klar begrenzt. Im Zusammenhang damit sind eindeutige
Angaben über die Viehhaltung im Siechhaus ersichtlich:
»...wenn die Pfründ
alle besetzt und das ist dreizehn Pfründ und nicht mehr, so soll man
haben in dem Haus fünf Kue und nicht mehr und was Nutzung davon komt,
das teilen sie untereinander, es sei von milch, kese, Schmalz oder Kelbern..
.nicht mehr denn vierzig hennen, dazu soll man ihnen geben alle Wochen ein
Metzen Habern... «"
weiter zu Teil 2
|